Medienmitteilung zum Landenbergforum 9. April 2017: Kinder — in Obwalden gut betreut

Landenbergforum zu Kinderbetreuung in Obwalden

 

Kinder – in Obwalden gut betreut: Die SP Obwalden widmete ihr 18. Landenbergforum der familien- und schulergänzenden Kinderbetreuung und damit einem relevanten Thema mit Bezug zur aktuellen kantonalpolitischen Agenda. In einem prominent besetzten Podium diskutierten Landammann Franz Enderli und Sonnie Burch, Gemeindevizepräsidentin von Kerns, Stefan Preier, Personalleiter Maxon Motor AG und Michael Pfleghart, Informatiker und Vater die Situation der Kinderbetreuung im Kanton Obwalden.

Gleich zu Beginn ihres Inputreferats betonte Nicole Wildisen, Co-Präsidentin der SP Obwalden, dass für die Erziehung und Betreuung der Kinder in erster Linie die Eltern, respektive die Erziehungsberechtigten verantwortlich sind. „Im Kanton Obwalden decken ja auch die Eltern und das familiäre und nachbarschaftliche Umfeld die Betreuung der Kinder ab, und das ist gut so. Doch sind immer mehr Eltern auf familien- und schulergänzende Kinderbetreuung angewiesen“, betonte sie. Sie zeigte das heutige Angebot auf und erläuterte die gesetzlichen Grundlagen.

Videobotschaften von Eltern, Grosseltern und Kindern

Dokumentiert durch Videobotschaften verschiedener Eltern, Grosseltern, Kinder und Leiterinnen von familien- und schulergänzenden Betreuungsangeboten zeigte Nicole Wildisen zusätzlich auf, dass die Nachfrage nach Kinderbetreuungsangeboten im Kanton gross ist. Aufgrund der geltenden Gesetzeslage (siehe Kasten Hintergrund) seien die Gemeinden verpflichtet, dem Bedürfnis entsprechende familienergänzende Kinderbetreuung für Kinder im Vorschulalter anzubieten, stellte sie fest. Im vorschulischen Bereich sei das Angebot gut. Mittlerweilen würden 20% der vorschulpflichtigen Kinder 1.5- bis 2.5 Tage pro Woche in einer Kindertagesstätte oder bei einer Tagesfamilie fremdbetreut.

Ein Problem entstehe, wenn die Kinder eingeschult werden, so Wildisen weiter. Sehr oft seien – meist Mütter — dann gezwungen, ihre Berufstätigkeit massiv zu reduzieren oder ganz aufzugeben, wenn sie nicht wollten, dass ihre Kinder ausserhalb der Schulzeit unbeaufsichtigt sind. Diese Frauen gingen der Wirtschaft als Arbeitskräfte verloren. Ab Schuleintritt seien nämlich die Gemeinden im jetzigen Moment nicht mehr verpflichtet, ein dem Bedarf entsprechendes Angebot mittels Schultagesstätten oder Tagesfamilien sicherzustellen. „Den Eltern, die bis Kindergarteneintritt mit einem Sozialtarif rechnen konnten, drohen finanzielle Engpässe“, zog Wildisen ihr Fazit.

Pressefoto Landenbergforum SP Obwalden 2017

Die Podiumsteilnehmer des Landenbergforums stellen sich den Fragen aus dem Publikum: v.l.n.r. Stefan Preier, Personalleiter Maxon Motor AG, Michael Pfleghart, Informatiker und Vater von zwei Kindern, Ruth Koch, Co-Präsidentin SP Obwalden, Sonnie Burch, Vizepräsidentin Gemeinde Kerns und Franz Enderli, Landamman Kanton Obwalden.

Kerns steht zu Tagesstrukturen

Die Gemeinde Kerns nehme hier eine Vorreiterrolle ein, wie Sonnie Burch, Gemeinderätin in Kerns ausführte. „Kerns unterstützt seine schulergänzende Kinderbetreuung mit rund 80 000.- Fr. jährlich, und kann so bezahlbare Betreuungsplätze für Kinder im Schulalter anbieten.“ Erst kürzlich hatte die Gemeinde beschlossen, unabhängig vom Ausgang der Abstimmung, das Angebot mit Sozialtarifen – wenn auch mit leichten Anpassungen – fortzuführen.

Weitere schulergänzende Angebote gibt es in Alpnach mit dem Schüelerhuis und in Sarnen mit KITS. KITS und Schüelerhuis sind gemeinnützige Vereine, haben von ihren Gemeinden zwar eine finanzielle Unterstützung erhalten, sind aber eigenständig.

Maxon Motor als Pioniere

Dass auch ein Unternehmen grosses Interesse an der Betreuung der Kinder ihrer Mitarbeitenden hat, zeigte Stefan Preier, Personalleiter der Maxon Motor AG auf. Die Firma subventioniere ihre betriebseigene Kinderkrippe jährlich mit 250 000 Fr. und könne daher Betreuungsplätze für 390.- im Monat anbieten, erläuterte er im Referat. Die Firma könne so Frauen mit ihren Fähigkeiten und ihrem Knowhow auch nach der Geburt ihrer Kinder im Betrieb halten. „Zum Teil halten sich heute bis zu drei Generationen auf dem Betriebsgelände auf: Grossmutter  und Tochter arbeiten in der Produktion, das Enkelkind ist in der Krippe betreut. Mit diesem Modell nimmt der Betrieb ihren Mitarbeitenden den Stress in der Betreuung ab – ein bewährtes Modell, das die Maxon seit 45 führt“, betonte Stefan Preier.

Kontinuität und Sicherheit als Kriterium

Michael Pfleghart, Vater von zwei Kindern, wünscht sich Kontinuität nach Kindergarteneintritt und finanzierbare Betreuungseinrichtungen. Für Eltern sei es wichtig, dass sie sich auf die Kinderbetreuung verlassen könnten. Er und seine Lebenspartnerin wollen neben der Familienarbeit am Erwerbsleben teilzunehmen – nicht zuletzt auch, um die Verantwortung auf zwei Schultern zu teilen und auch Risiken abzufedern, falls einem von ihnen mal etwas zustossen sollte.

Langfriststrategie der Regierung

Landammann Franz Enderli verwies auf die Langfriststrategie des Regierungsrats, worin der Kanton Obwalden bessere Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen will, um die Standortattraktivität zu fördern. Er unterstrich ebenfalls die Wichtigkeit von familien- und schulergänzenden Betreuungsangeboten. „Im Kanton Obwalden haben wir ein gutes Angebot im Vorschulalter. Wenn die Einschulung stattfindet fehlt die Kontinuität. Deshalb brauchen wir eine Lösung, wie sie der Regierungsrat mit dem Nachtrag Bildungsgesetz vorgeschlagen hat. Der Gestaltungsraum ist für Gemeinden offen, damit sie Strukturen schaffen können, die den Bedürfnissen vor Ort entsprechen, wie zum Beispiel auch das Tagesfamilienmodell. Und die Gemeinden sind nur Verpflichtet ein Angebot bereitzustellen, wenn der Bedarf mit fünf Kindern nachgewiesen ist.“

Das Landenbergforum endete mit einem Apéro, bei dem sich die Besucher und Vertreter aus den verschiedenen Gemeinden gemeinsam mit Nationalrat Karl Vogler und Ständerat Erich Ettlin über die Kinderbetreuung im Kanton Obwalden austauschten.

 

Kontakt:
Nicole Wildisen, Co-Präsidentin SP Obwalden         079 641 79 98
Ruth Koch, Co-Präsidentin SP Obwalden                041 660 95 60

 

Medienmitteilung_Landenbergforum_SP Obwalden_April 2017

 

Hintergrund

Seit 2007 ist das Gesetz über die familienergänzende Kinderbetreuung für Kinder bis zum Schuleintritt in Kraft. Das Gesetz verpflichtet die Gemeinden, für eine bedarfsgerechte Anzahl von Betreuungsplätzen zu sorgen.

Mit dem Nachtrag zum Bildungsgesetz hat der Kantonsrat eine analoge Regelung für Betreuungsangebote ab dem Eintritt in die Schule angenommen. Die Schulergänzende Kinderbetreuung umfasst bei Bedarf von mindesten fünf Kindern die Zeiträume ab 7.00 bis Schulbbeginn, über die Mittagszeit und Betreuung am Nachmittag bis 18.00 Uhr. Die Aufgabe kann auch durch Tagesfamilien übernommen werden. Die Elternbeiträge richten sich nach den finanziellen Möglichkeiten der Eltern. Die Übernahme der Restkosten geht zu 60% zu Lasten der Gemeinden und zu 40% zu Lasten des Kantons.

Gegen den Nachtrag zum Bildungsgesetz wurde das Referendum ergriffen. Die Vorlage gelangt am 21.5.2017 zur Abstimmung.

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